ANTIGONES HUND

zur Tierdarstellung in der Theaterpädagogik

Hier nun ein kleiner Ein­blick in die Ab­schluß­arbeit im Rah­men der berufs­be­gleiten­den Aus­bil­dung zur Theater­pä­da­gogin BuT an der Theater­werk­statt Heidel­berg. Wer die Arbeit ganz lesen möchte, schickt mir bitte eine eMail.

INHALTSVERZEICHNIS

1. Die Mensch-Tier-Beziehung
1.1. Historische Aspekte
1.2. Das Tier in unserer heutigen Welt
1.2.1. Paradox I: Unsere gespaltene Wahrnehmung von Tieren
1.2.2. Paradox II: Verdrängung und Allgegenwart des Tieres
1.2.2.1. Die neuen Haustiere
1.2.2.2. Das Tier aus Plüsch
1.2.2.3. Die visuelle Omnipräsenz

2. Die Rolle des Tieres in der kindlichen Entwicklung
2.1. Die Beziehung des Kleinkindes zum Tier
2.2. Fantastischer und naiver Realismus
2.3. Bedeutung der Kind-Tier-Beziehung
2.4. Die Tiere in den Medien
2.4.1. Tiersachbuch und Tierlexikon
2.4.2. Realistische Tiergeschichte
2.4.3. Phantastische Tiergeschichte
2.4.4. Tiercomic und Tiercartoon
2.4.5. Tiergedichte und Tierlieder

3. Die Rolle des Tieres in Mythos, Sage und Märchen und in unserem Unter­be­wussten
3.1. Verwandtschaft zwischen Mensch und Tier
3.1.1. Die Tierehe
3.1.2. Die „übernatürliche“ Empfängnis
3.1.3. Die Tiergeburt
3.1.4. Die Sprache der Tiere
3.1.5. Das Tieropfer
3.1.6. Die Vorstellung vom Lebensgleichlauf
3.2. Tierverwandlungen
3.2.1. Die Selbstverwandlung
3.2.2. Rückverwandlung als Erlösung
3.2.3. Tierverwandlung als Degradation
3.3. Tiere als Helfer
3.3.1. Stellung von Mensch und Tier im Märchen
3.3.2. Das Tier als Retter

4. Tierische Theaterpädagogik
4.1. Hektik macht Angst
4.2. Tiere haben Zeit
4.2.1. Anknüpfen an die tatsächlichen Erfahrungen der Kinder mit Tieren
4.2.1.1. Die ganz Kleinen
4.2.1.2. Die etwas Größeren
4.2.1.3. Die ganz Besonderen
4.2.2. Praktische Erfahrungen mit Tieren

5. Das Tier als Spielpartner

6. Tierisch sprechen / Tiersprache
6.1. Reflexion über das Tier als sprachliche Metapher
6.2. Die Bedeutung der Sprache bei Tier und Mensch
6.3. Sprechtraining für den Menschen

7. Tierisches Training
7.1. Philosophische Trennung zwischen Mensch und Tier
7.2. Warum von den Tieren lernen?
7.3. Impulstraining
7.4. Tierische Körperarbeit

8. Schlusswort

9. Literatur


EINLEITUNG

„Man ist was man is(s)t!“

Theater, Spiegel der Gesellschaft!

Doch gefällt einem das was man da sieht, im Spiegel sieht? Sicher nicht immer. Sieht der, der neben mir sitzt / steht das Gleiche, wenn wir in den selben Spiegel schauen? Sicher­lich nicht. Es liegt also im Auge des Be­trach­ters, was ge­sehen wird. Und natür­lich auch an dem Spiegel selbst, was gibt er wieder.

Wir leben in einem stän­digen Aus­tausch von Sehen und ge­sehen werden. Von inneren und äuße­ren Pro­zes­sen, von Hand­lun­gen. Und immer geht es um uns Menschen.

Es stellt sich die Frage, was ist ein Mensch? Der Mensch ist ein Säuge­tier. Der Mensch ist kom­pli­ziert, kom­plex. Das macht es für den Menschen nicht ein­facher sich selbst und die An­deren zu be­grei­fen, zu ver­stehen. Er würde es je­doch so gerne können, um an seinem Aus­druck ar­beiten zu können. Damit die An­deren einen Ein­druck von ihm haben. Und wieder an­dere meinen zu wis­sen wie die an­deren Menschen zu sein haben. Es ist ein per­manen­tes sich ver­ständ­lich machen wol­len, ein ge­sehen wer­den wol­len, wo ist mein Platz, wer bin ich! Ein Pro­zess, der nie zu Ende ist. Ein Pro­zess, der leben­dig ist, der Kul­turen ver­ändert und ent­stehen lässt.

Die Theater­pä­da­gogik bringt da etwas Ord­nung hinein. Sie fokus­siert den Menschen, ver­sucht ihn ins rechte Licht zu setzen. Oder besser: Licht ins Dunkel zu brin­gen. Das ist nicht so drama­tisch ge­meint, wie es da steht. Aber hier geht es rund um das Theater, da seien solche bild­haften For­mulier­ungen er­laubt und auch an­ge­bracht.

Für einen kurzen Zeit­raum, in einem ge­schütz­ten Raum wird ver­sucht, diesen Komplex „Mensch“ zu er­for­schen, zu be­greifen, zu ver­stehen. Alle all­täg­lichen Dinge sind aus­ge­schaltet, alle Regeln auf ge­hoben. Nun gibt es eigene Regeln, die viel­leicht be­quemer sind, bes­ser zu mir pas­sen oder auch ein­fach nur über­schau­barer sind. Ich muss nicht ich selbst sein, ich kann es aber sein. Auf ein­mal ist alles mög­lich. Es ist wie ein Fenster, das man in sein Leben schneidet und selbst hinein schaut, in sein Leben und das der An­deren. Aber selbst das ist manch­mal sehr schwierig. Selbst hier, wo es um nichts geht, geht es für eini­ge doch um alles. Kann man wirk­lich los­las­sen? War man wirk­lich ehr­lich? Hat man wirk­lich seine alten Muster ver­lassen? Auch mit der Theater­pä­da­gogik, der Mensch bleibt kom­pli­ziert und kom­plex. Aber es ist sicher­lich nicht die Auf­gabe der Theater­pä­da­gogik, den Menschen ein­fach, durch­schau­bar und struk­turier­ter zu machen. Sie bringt, wie ge­sagt, nur ein wenig Licht ins Dunkel.

Da haben es die Tiere ein­facher. Schauen wir doch im Lexi­kon nach: Tiere sind Lebe­wesen. Und dann geht es eigent­lich sehr struk­tu­riert weiter, Atmung, Nah­rung, Lebens­raum usw. Das ist rela­tiv über­schau­bar. Es findet keine Ab­gren­zung ge­gen­über dem Menschen statt, um­ge­kehrt schon. Dabei kön­nen wir von den Tieren doch so­viel lernen.

Die ein­zigen die eigent­lich nichts mehr von den Tieren zu ler­nen brau­chen sind un­sere Kin­der, sie sind den Tieren am Nächs­ten. Fataler­weise lernen Kinder von den Er­wach­senen und werden zu dem was die Er­wach­senen sind. Aus der natür­lichen Ent­wicklung des Kindes heraus, hat es eine Ver­bin­dung ein Inte­res­se am Tier. Dies gilt es sich in dem Wust der mensch­lichen Ent­wick­lung (vom Kind zum Er­wach­senen) zu nutze zu machen.

Frei nach dem Motto „Weniger ist mehr“, möchte ich mich in dieser Arbeit im mensch­lichen Sinne den Tieren widmen.